Die Gründung vom Verkehrs- und Verschönerungsverein versteht sich im Zusammenhang für einen attraktiven Kurort Mumpf.
In den Blütezeiten des VVM und damit des Kurortes waren die aktiven Kräfte u.a. die Sonnenwirte Waldmeyer und Anz, Schöneggwirt Bretscher, Ankerwirt Brenner, Nationalrat Triebold, die Stationsbeamten Koller und Meyer und der Brückenmaler Arthur Güntert. Zeitweise waren weit über 100 Mitglieder dem Verein zugehörig.
Das Gründungsjahr des VVM ist nicht belegt, Dokumente dazu lassen sich keine finden. Doch ab 1923 sind die Kassabücher lückenlos vorhanden. Der Zweck des Vereins lässt sich so umschreiben:
„Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Mumpf sorgt zusammen mit Behörden, Vereinen und Privaten für die Verschönerung des Dorfes und dessen Umgebung. Er beseitigt Übelstände und plant Instandhaltungen, das Anlegen von Fusswegen, Anlagen, Bänken und dergleichen.“
Die Wirte haben sich allerdings schon vor der Jahrhundertwende für ein attraktives Angebot und ein freundliches und schmuckes Mumpfer Dorfbild eingesetzt. So betrieb der Schöneggwirt im Freien einen Schiessstand und eine Kegelbahn für seine Gäste. Der Sonnenwirt erstellte einen Weiher für die Forellenzucht in der Bachtale und liess seine Gäste darauf mit dem Boot fahren und Fische fangen. Und der Ankerwirt bot seine Bäder und Ruheliegen am Rheinbord in einem eigens erstellten Badehaus und damit mit einem speziellen Ambiente an.
Die Miststöcke verschwinden
Aus dem Jahr 1886 stammt ein Vertrag zwischen Sonnenwirt Waldmeyer und dem Landwirt Xaver Hurt und seinen Töchtern Melina und Maria. Der Wirt bezahlte ihnen 400 Franken dafür, dass sie den „Dunghaufen“ (Miststock) hinter das Bauernhaus verlegten. Weil die Häuser aneinander gereiht waren, hatte er ihnen das Durchgangsrecht durch die Stallung des Reinhard Kaufmann gesichert und beides im Grundbuch eintragen lassen. Mit der Zeit befanden sich alle Miststöcke des Dorfes hinter den Häusern. Die Kurgäste sollten sich nicht durch stinkende Haufen belästigt fühlen.
„Blumenaktion“ für ein schönes Dorf
So hiess ein Programmpunkt des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Mumpf. Wer hat den schönsten Blumenschmuck im Dorf? Diese Frage stellte sich jedes Jahr wieder neu. Gartenarbeit galt damals als selbstverständlich und Blumenbeete anlegen ebenfalls. Das Dorf als Spaziergebiet für die Kurgäste wollte seine schönsten Seiten zeigen. Zu jeder Zeit der Kursaison sollte es in allen Gärten blühen. Auch ein Preisgericht waltete seines Amtes. Daran beteiligten sich die Kurgäste, die auf ihren Rundgängen die schönsten Gärten auf einem Meldeformular vermerken konnten. Aber auch die Mitglieder des VVM beteiligten sich an den Bewertungen. Als Preise lockten Pflanzen aus der Gärtnerei Burkhart.
Jährliches Arbeitsprogramm des Verkehrsvereins
Der VVM verfasste für jedes Jahr eine Arbeitsübersicht. Hier das Programm von 1945:
a) Neue Postkarten drucken lassen
b) Reinigung des Rheinufers
c) Neue Ruhebänklein aufstellen
d) Wege ausbessern
e) Stiege erstellen neben Bunker
f) Tännlein setzen am Bahnhofweg
g) Verschönerung des Bahnhofplatzes
h) Blumenkästen putzen durch Private
i) Wegweiser mit farbigen Tafeln setzen
l) Neuer Fahrplan
k) Bachkorrektion
m) Organisation 1. August-Feier
n) Friedensfest
o) Unterhaltung in jedem Hotel durch den Kirchenchor
p) Gabe für die Schweizerspende Fr. 20.–
q) Gabe in die Schulreisekasse Fr. 30.–
Immer wieder versuchte der VVM, den Kurort noch attraktiver zu machen durch:
- Organisation von Vorträgen (z.B. 1928: Vogelwelt unserer Heimat)
- Eingaben bezüglich neuer Zugshalte für Kurgäste
- Anlegen neuer Spazierwege
- Spielplätze unterhalten
- Ortspläne drucken
- Wegmarkierungen und Wegweiser anbringen
- Ortseingangstafel organisieren
- Gestaltung des Bahnhofplatzes
Der Verein besorgte auch die Werbung für den Kurort. Es wurden Postkarten mit Luftaufnahmen herausgegeben und entsprechenden Texten: „Kurort Mumpf am Rhein“ und „MUMPF (Aargau) Kohlensäure-Solbäder“. Auch entstanden 1942 verschiedene Poststempelentwürfe.
Selbst nach dem Rückgang der Kurort-Aktivitäten machte ein Poststempel Reklame für den Kurort am Rhein!
Unterstützung von vielen Seiten
Als finanzielle Grundlagen galten die jährlichen Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen und den Kurtaxen. An Jahresbeiträgen erhielt der Verkehrsverein durch die Gemeinde Mumpf 50 Franken und vom Kraftwerk Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt 100 Franken speziell für die Rheinuferpflege.
1954 waren 64 Standorte von Ruhebänken aufgelistet, die im Herbst abgebaut, im Winter überholt und im Frühling wieder aufgestellt wurden. Die Schulklassen beteiligten sich beim Ablad und der Montage der vielen Ruhebänke jeweils im Frühling und erhielten einen Zustupf in die Schulreisekasse. Dem Standort Bachthale mit dem Weiher, dem Brücklein und den Flanierwegen wurde besondere Bedeutung zugemessen und dementsprechend gepflegt.
Auch die drei kulturellen Vereine Kirchenchor, Männerchor und Musikgesellschaft beteiligten sich an den durch den Verkehrsverein organisierten Kurkonzerten in den drei Badehotels und auf Dorfplätzen. Auch wurden in den Singstunden der Schulklassen die Schulzimmerfenster geöffnet, um die spazierenden Kurgäste mit schönem Gesang zu beglücken. Oft ertönte dann Applaus von der Strasse her.
Bei der durch den Verkehrsverein veranstalteten voluminösen Bundesfeier stellten sich alle Vereine, also auch der Turnverein und die Pontoniere, mit ihren Möglichkeiten zur Verfügung.
Anerkennung durch die Kurgäste
In den Hotelbüchern hinterliessen zahlreiche Kurgäste in Reimen ihren Dank dem kleinen Dorf Mumpf. Frau Amstein aus Willisau beschrieb ihn so:
Rückgang und Aufgabe der Vereinstätigkeit.
Ab 1954 ergaben sich schleichend schwere Substanzverluste in Mumpf:
Nachdem die beiden Hotels „Anker“ und „Sonne“ 1948 und 1953 die Bäder aufgaben, begann der Verein seine Tätigkeiten einzuschränken. Das Augenmerk des Verkehrsvereins richtete sich mehr und mehr auf das verbleibende Badehotel „Schönegg“ und dessen Umgebung.
Dann begann der Bachtalenweiher zu verlottern, Mühlebach und Sägebach flossen auch bald nicht mehr, und die Lichtung der Bachtale fiel der Aufschüttung der Kapfstrasse zum Opfer.
Nach 1974, dem Eröffnungsjahr der Autobahn, verfiel der Verkehrs- und Verschönerungsverein Mumpf in einen über 20-jährigen „Dornröschenschlaf“. Die Auflösung des Vereins und des Vermögens und die Deponierung der Vereinsbücher im Gemeindearchiv erfolgte dann 1998.
Recherche:
Gerhard Trottmann
Quellen:
Vereinsbücher ab 1923 im Gemeindearchiv
Dokumentensammlung Läuchli im Dorfmuseum/Gemeindearchiv
Fotoarchiv Dorfmuseum