Ab Januar 2024 erhielt das SBB-Viadukt eine Auffrischung für die nächsten 100 Jahre mit einem Kostenaufwand von über 12 Millionen Franken.
Die Bauarbeiten erwiesen sich als recht kompliziert und aufwändig. Sie umfassten
- Statische Verstärkungen
- Erneuerung des Schottertroges
- Erneuerung der Abdichtungen
- Betonschutz
- Schotter-Ersatz
- Erneuerung des Geländers
- Neue Fahrleitungsmasten
- Ersatz der Lärmschutzwand
Das Viadukt bekam zuerst ein Gerüst mit einem enormen Ausmass. Ein grosses Problem bildeten die engen räumlichen Verhältnisse. Die Fahrdrähte und Hochspannungsleitungen wie auch der dauernd aufrecht erhaltene Bahnbetrieb liessen keine grossen Baumaschinen oder gar Baukräne zu. Der Verkehr auf der Strasse nach Obermumpf musste gewährleistet werden. Das Dorfmuseum und die Autobahn nebenan durften nicht tangiert werden.
Die Arbeiten auf dem nördlich gelegenen Geleise
Zuerst musste das dorfseitige Trassee auf dem Viadukt freigelegt werden zum Einbau vom Schottertrog-Fundament. Dies geschah mittels Aufspitzmaschine. Die weggespitzte Schicht betrug in der Breite 4 Meter und in der Tiefe 1.60 Meter, auf einer Länge von 25 Metern. Das Hämmern war wochenlang über dem Dorf zu vernehmen, ebenfalls das Herunterdonnern der grossen Betonbrocken in die Mulden. Oft war hier Handarbeit gefordert, lediglich ein kleiner Trax konnte eingesetzt werden. Auch die Arbeiten durch HydroJet, nämlich dem Betonabtrag mit Wasserhochdruck, waren äussert lärmintensiv.
Dem 3 Meter breiten und 1.20 Meter tiefen Fundament wurden anschliessend seitlich die Wangen des Schottertroges angefügt. Für beide Bahngeleise wurden nach Auskunft durch den Bauführer Erich Franzke ca. 135 Tonnen Baustahl und ca. 800 Kubikmeter Beton verbaut.
Die Arbeiten geschahen sowohl am Tag wie auch in der Nacht. Das bedeutete viel Lärm für das ganze Dorf. Am Sonntag, 26. Mai 2024 lud die Gemeinde und die Bauleitung zum Besuchstag auf der Baustelle ein.
Der Projektleiter SBB Joaquin Rosasco, der Projektleiter Bau, der Projektleiter Hydro Jet (Betonsanierung) und der Sicherheitschef SBB brachten anhand von Erklär-Skizzen, fachlichen Erläuterungen und Besichtigungen hoch oben den vielen interessierten Besucherinnen und Besuchern das Baugeschehen näher.
Mit Helm und Jacke ausgerüstet wurden die Teilnehmenden mit dem Baulift von der Informationswand auf dem Grund auf die Gleishöhe angehoben.
Mitte Juni war es dann soweit. Der Schottertrog auf der Dorfseite war fertig betoniert. Somit konnte er mit Schottersteinen aufgefüllt werden. Dazu wurden drei Trax herbeigefahren, welche, nachdem die bergwärts gelegene Bahnspur überquert war, diese Arbeiten übernahmen.
Bereits am 23. Juni konnten die Arbeiten auf dem talseitigen Geleise abgeschlossen werden, so dass am 24. Juni der Bahnverkehr beidseitig wieder aufgenommen wurden. Dies bis zur 2. Hälfte August, um von da an die bergseitige Fahrspur ebenfalls in gleicher Weise zu sanieren.
Die Arbeiten auf dem südlich gelegenen Geleise
Betreten wir die Baustelle im Westen des Viaduktes. Die südlich angelegte Gleisanlage ist um 10 Meter kürzer als die nordseitige. Wieder erfolgte der Abbau der Betonschicht auf der ganzen Fahrbahnbreite. Dabei zeigen sich die Rundungen der Bögen des Viaduktes.
Eine Besichtigung am 27. August lässt das Ausmass der Arbeiten erahnen. Mit einer Höhe von 1.60 Meter und der Breite von 4 Meter wurde die Betonmasse unter Schotter und Schienen aufgebrochen und dann weggekarrt. Links auf dem Bild das abgesicherte Geleise für die Zugsdurchfahrten. Die rot-gestrichelte Linie zeigt die Fahrbahnhöhe vom nordseitig neu angelegten Geleise an. Rechts die bei früheren Sicherungsarbeiten erstellte Mauer mit der oberen Kante als Gleishöhe.
Diese Mauer auf der Westseite muss noch weggespitzt werden. Bauführer Erich Franzke nimmt die letzte Messung vor.
Blick vom Osten über die Baustelle. Auch im Osten des Viaduktes muss die Mauer entfernt werden. Dies ist mit Lärm und belasteter Luft verbunden.
Die Arbeiten fanden in luftiger Höhe statt mit Aussicht auf die Hauptstrasse Mumpf - Schupfart, die zeitweise nur einspurig befahrbar war.
Die Bauarbeiten konnten rechtzeitig abgeschlossen werden, sodass der fahrplanmässige Bahnverkehr am 11. November 2024 wieder aufgenommen werden konnte.
Recherche:
Gerhard Trottmann