
Zum zehnjährigen Bestehen des Dorfmuseums galt für die vier offenen Sonntage das Motto:
„Erzähl mir Mumpf“, mit Geschichten und Müschterli aus der Vergangenheit unseres Dorfes.
Die Besucherinnen und Besucher erhielten am 15. Mai kulinarische Einblicke, Demonstrationen und Probiererli zu Mumpfer Rezepten aus der Zeit von 1535 bis 1900.
Der 19. Juni stand im Zeichen der begehrten Mumpfer Hebammen, die schon vor 250 Jahren in hohem Ansehen standen.
Am 21. August wurde an die Mumpfer Bädergeschichten erinnert und aus dem Kurgastleben erzählt und vorgelesen.
Die Museumssaison konnte am 18. September mit einer Postkartenausstellung zu unserem Dorf beschlossen werden.
Mumpfer Kulinarium
Diese sechs Rezepte stammen aus der Zeit von 1535 bis 1900.
- Speck- und Bohnenmahl 1535
- Mumpfer Chugele 1773
- Rezept für guten Mumpfer Wein 1829
- Mumpfer Bohne 1883
- Gedämpfte Aesche nach Fricktaler Art 1894
- Waldarbeiterzmittag 1900
Mumpfer Kugelen von 1773
„Besonders in der Fastenzeit genossenes Gebäck aus Kuchenteig; nach dem Aargauisch-Fricktalischen Dorfe Mumpf benannt.“ So nachzulesen im „Schweizerischen Idiotikon“.
Aufgeschrieben wurde es im Basler Kochbuch von Stupan.

Die Mumpfer Kochschullehrerin Heidi Moosmann-Senn übersetzte Zutaten und Rezept in die heutige Sprache:
Zutaten: 3dl. Milch - 50 Gr. Butter - ½ Kochlöffel Salz - 125 Gramm Mehl - 3 Eier Zusammen aufkochen, die Pfanne vom Herd nehmen und das Mehl im Sturz hinein geben, rühren bis ein glatter Teig entsteht, auskühlen lassen. Eier aufschlagen und nach und nach zum Teig mischen, die Teigkonsistenz ist wichtig, der Teig sollte schwer von der Kelle reisen. In der Pfanne auf dem Herd muss sich Schmalz befunden haben, worin die Kugeln „gebraten“ wurden. Für salzige Kugeln kann in den Teig geriebener Käse darunter gezogen werden. Für süsse Kugeln können in die Milchmischung ca 30 - 50 Gramm Zucker dazu geben werden.
Die angebotenen Probiererli der auf dem offenen Feuer hergestellten Mumpfer Kugeln fanden guten Zuspruch.
Mumpfer Hebammen
Die Geburtshelferinnen könnten ja ein trockenes ernsthaftes Thema sein. Doch die regierenden Männer in den Gemeinden und die Hebammen selber sorgten für viele interessante und erheiternde Momente, vor allem auch aus der historischen Perspektive. Es ging um die Mumpfer und Fricktaler Hebammen ab 1750. Zu lesen sind Abhandlungen in Dokumenten der Gemeindebehörden aus der österreichischen Herrschaft wie auch der argauischen Zugehörigkeit..
Die Referentin Sophie Fäs berichtete unter anderem von der Einmischung der Gemeinden und der Männer in das Hebammenwesen, von Spannungen zwischen alten und jungen Hebammen, von „unmöglichen“ liederlichen und versoffenen Ehemännern und grenzenlos und ausufernd zechenden Mütter- und Hebammenrunden, von geizigen Gemeinderäten und nicht ausbezahltem Wartgeld. Auch der Mumpfer Hebammenkoffer wurde ausgepackt und erklärt.
Bericht zum Hebammen-Wartgeld Mumpf und Wallbach, Oktober 1776
Gemeinderatsprotokoll 27. März 1920
Die Fotos zeigen Sophie Fäs aus Möhlin, die zum Thema in historischen Quellen reichlich fündig geworden ist und nun zum Thema an einer Dissertation arbeitet. Sodann den leeren Mumpfer Hebammenkoffer und das ausgebreitete Instrumentarium für eine Geburt.
Mumpfer Badegeschichten
Das Baden in Mumpf hatte seinen Anfang um 350 nach Christus mit einer freistehenden römischen Badeanlage mit einem Feuerkanal und einem Dampfbad. Ab 1854 bot Pintwirt Mösch Bade- und Schröpfkuren in einem Badehäuschen an. Dieses stand gegenüber seinem Gasthof unterhalb der Hauptstrasse hart am Rhein.
Ab 1867 bot Sonnenwirt Waldmeyer „Soolebäder“ an, ab 1898 die Familie Bretscher auf der Schönegg. Und auch das Strandbad von 1933 gehört zur Mumpfer Badegeschichte.
Vermutlich führten alle Kurhotels Gästebücher
Doch nur vom Hotel Sonne ist noch ein ansehnliches Gästebuch aus der Zeit von 1920 bis 1950 vorhanden. Viele Köstlichkeiten sind darin enthalten: Verse, Briefe, Beschreibungen, Skizzen und Fotografien.
Das Buch ist im Besitz von Edi Schmid. Er präsentierte dieses Buch den Besuchern und trug auch Gedichte und Einträge zum Bäderalltag vor, alle verfasst durch die Kurgäste.
Die „Sonne“ beherbergte Menschen aus allen unseren Landesteilen und dem Ausland, sogar aus Rumänien. Viele überlieferte Reminiszenzen lassen auf einen erheiternden Kurbetrieb schliessen.
Mumpfer Postkarten
Die „Ansichtskarten-Mode“ in der Schweiz nahm ausgerechnet in der Zeit der Eröffnung des ersten Mumpfer Solbades ihren Anfang. Durch die Kurhotel Anker, Sonne und Schönegg kamen viele Ansichtskarten des Dorfes in den Umlauf.
Durch die neu entstandene Reisefreudigkeit wollten die Daheimgebliebenen doch gegrüsst werden. Von unserem Dorf gibt es geschätzt 200 alte Ansichtskarten. Jede davon ist auch ein historisches Bilddokument. Die ersten Ansichtskarten erschienen in schwarz/weiss. Authentisch waren diese Karten indes nicht, es fehlte die Farbe. Ab 1890 wurden Foto-Ansichtskarten vorerst Abzug für Abzug per Hand koloriert, oft mittels Schablonen, damit's schneller ging. Die Gestaltung dieser Karten war Sache von Lithografen. Die Bilder waren eigentlich wirklicher als wirklich: Das Blau der Flüsse und Seen war blauer, der Himmel dramatischer, die Bäckchen der Damen rosiger!
Das verlieh den Ansichtskarten aus aller Welt einen ganz besonderen poetischen Zauber. 1930 war es mit dem Zauber vorbei, die Farbfotografen machten den Lithografen den Garaus. Doch schon längst waren die kolorierten Ansichtskarten Sammlerobjekte geworden. Die Hälfte aller Postkarten sahen gar nie eine Post von innen, sondern wurden im Album eingeordnet.
Reto Hofer führte als Sammler erst mal in die „Sammlerarbeit“ ein. Am Bildschirm und an der Ausstellungswand konnten zahlreiche schwarz/weiss und zauberhaft kolorierte Ansichtskarten aus seiner Sammlung bewundert werden.
Bericht: Gerhard Trottmann